Qualitätsmaß Korrektorat/Lektorat?

Hallo, meine Lieben!

Da ich mich ja bereits mit meinem fünften Buch rumplage 😉 dachte ich mir, ich spreche eines der größten Probleme der Selfpublishingbranche an:

DAS KORREKTORAT UND LEKTORAT

In meinen ersten Erfahrungen habe ich euch bereits geschildert, wie wichtig eine Überarbeitung durch einen Experten ist. Dennoch musste ich auf schmerzlichste Weise erkennen, dass es nicht so einfach ist, ein gutes Korrektorat/ Lektorat zu bekommen.

Daher möchte ich beute mal die Frage in den Raum werfen und fragen, welche Erfahrungen habt ihr Mitautoren in den letzten Monaten und Jahren gemacht? Wie könnt ihr Qualität von ‚Möchtegern‘ unterscheiden?

Fakt ist, dass heut zu Tage jeder eine Probelektorat oder Probekorrektorat anbietet. Entweder alles ist übermäßig rot markiert oder eher weniger. Aber wie kann man beurteilen, dass der von Korrektorat gesetzte Beistrich auch richtig ist, wenn man es selbst nicht weiß? Genau hier ist das Problem. Ich musste selbst feststellen, dass selbst wenn jemand gewissenhaft zwei Mal drüber arbeitet, eine fremde Person erneut eine Menge Fehler finden kann. Dann kommen ja noch die ‚Kann-Beistriche‘ hinzu. Wie soll man wissen, dass diese konsequent und durchgehend gesetzt oder nicht gesetzt wurden?

Ich kann nur aus Erfahrung sagen, wo Lektorat drauf steht, muss nicht unbedingt Lektorat drinnen sein. Des Weiteren sieht jeder andere Fehler. Manche stören gewisse Satzbauten, andere sind allergisch gegen Wortwiederholungen. Wieder andere sehen eher auf die Punktion und vergessen dabei andere wichtige Mängel.

Bei meinen ersten Schritten habe ich nun folgendes gelernt. Es ist ratsam ein und den selben Text von mehreren Dienstleistern Probekorrigieren/lektorieren zu lassen und dann zu vergleichen, welche Fehler wer übersehen hat. Ich wette, dass die Korrekturen unterschiedlich ablaufen. Es geht ja auch nicht anders, weil wir alle individuell arbeiten.
Des Weiteren muss ZUERST das Lektorat erfolgen, da man hier oft Texte umschreibt und ergänzt und sich dann neue Fehler einschleichen. Erst danach kommt das Korrektorat. Ob diese beiden Funktionen geteilt werden müssen, kann ich noch nicht sagen, weil ich da selbst noch ausloten muss. Ich habe nur gemerkt, es ist besser, es korrigieren zu viele, als zu wenige ;o)

Mich würde interessieren, wie ihr die Qualität eines Korrektors/Lektorats erkennt oder messt.

Freu mich, von euch zu lesen 😉

Korrektor

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6 Responses
  1. Sybille Weingrill says:

    Hallo, liebe Frau Ealain,

    ein sehr interessanter Artikel, den Sie da geschrieben haben, denn genau diese Frage habe ich mir auch schon des Öfteren gestellt.
    Ich bin Korrektorin und durfte aufgrund einer Bewerbung einen Probetext für einen Verlag korrigieren. Da habe ich mir genau die gleiche Frage gestellt: Wie kann man die Korrekturen am besten bewerten bzw. wie kann man herausfinden, wer denn nun tatsächlich die „besten“ Korrekturvorschläge gemacht hat? Ebendiese Frage mit dem Komma hatte ich mir auch gestellt, denn die meisten (auch viele Lektoren/Korrektoren) kennen nicht alle Kommaregeln.

    Liebe Grüße
    Sybille Weingrill

    • admin says:

      Liebe Sybille!

      Mittlerweile kann ich zwar noch nicht einschätzen, wie gut ein Korrektorat ist, aber ich erkenne den Mehrwert, wenn ich nebenbei auf Logikfehler oder Eigenheiten hingewiesen werde, die ich korrigieren kann oder mir bei der Weiterentwicklung meines Schreibens behilflich sein können. Das kann nicht jeder oder viele ziehen – was ich auch verstehen kann – hier eine exakte Linien, um nicht über die Grenzen, hinein ins Lektorat zu geraten. Des Weiteren ist es wichtig, unangenehme Punkte und Mängel anzusprechen und dabei aber professionell zu bleiben. Ich habe auch schon erlebt, dass man sehr frustriert ist, wenn das Korrektorat auf persönliche Ebene verletzend wird, was aber zum Glück nicht die Regel ist ;o)
      Ich freue mich sehr, dass du dich zu dem Thema auf meinem Blog verewigt hast, da ich weiß, wie gefragt du in dem Metier bist ;o)
      Danke für deine Meldung und lg C

  2. Hi!

    Ich habe bisher alle meine Texte in das Korrektorat von Kerstin Fricke gegeben und war immer sehr zufrieden. Meine Empfehlung quasi: http://www.kf-uebersetzungen.de/.

    • admin says:

      Lieber Benjamin!
      Okay, die Adresse merke ich mir mal vor, so kann ich mir ein Kapitel Probesichten lassen und eine Preisanfrage stellen ;o)
      Macht die Dame eigentlich ein reines Korrektorat oder weißt sie einem auf auf Spannungskurve oder Logikfehler hin, wenn ihr etwas auffällt?
      lg C

  3. Hallo Celeste Ealain,
    ich möchte dir hier kurz meine Erlebnisse zu diesem Thema schildern. Nicht als Autor, sondern als „Hobby Lektor“. Vor ca. 6 Monaten hab ich mich auf der Bookrix Website registriert. Meine Motivation war ursprünglich, den Autoren, die ihre Bücher kostenlos zum Lesen anbieten, ein konstruktives Feedback zu ihren Werken zu geben. Sehr schnell bin ich dabei beim Lesen einer mehrteiligen Buchreihe auf eine Autorin aufmerksam geworden, die zwar extrem spannend schreiben kann (trotz meiner 59 Jahre hab ich die Serie richtiggehend verschlungen), deren Bücher aber auch geprägt sind von überdurchschnittlich vielen Rechtschreibfehlern. Ich hab ihr dies in meinem Kommentar auf der entsprechenden Buchseite auch als „Negativ-Punkt“ vermerkt. Durch den danach folgenden (privaten) Email Verkehr habe ich mich angeboten, als „ehrenamtlicher“ Lektor 2 ihrer neueren Bücher, die aber schon bei Amazon und Co publiziert waren und dort bzgl. der Rechtschreibung negative Kritiken erhalten hatten, nochmals zu redigieren.
    Ich habe den Aufwand dafür bei Projektbeginn maßlos unterschätzt. Wenn ich beim „üblichen“ Lesen eines Buches pro Stunde vielleicht 30 …40 Seiten lese (viele Landschaftsbeschreibungen werden da häufig nur schräg runter gelesen) habe ich festgestellt, dass beim Redigieren max. 10…15 Seiten pro Stunden zu schaffen sind. Dabei sind dann an meinem PC immer 1..2 Fenster mit Wörterbüchern (Duden online) plus dem Fenster mit dem entsprechenden Roman geöffnet. Spätestens nach 2..3 Stunden lässt dann die Konzentration nach. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem man aufhören sollte. Ein Roman mit z. B. 400 Seiten benötigt in der Stufe 1 zum Redigieren dann rund 1 Woche. Und ich hab mir dann angewöhnt, das Ganze in der Stufe 2 nochmal (dann allerdings ein bisschen schneller) durchzulesen. Die Autorin bekommt am Ende von mir eine Word Datei mit eingeschalteten „Markups“ (ergibt bei Word einen roten Strich am Ende der Zeile) und zusätzlich eine Worddatei mit Anmerkungen, welche Textpassagen ich umformuliert hätte.
    Ich selbst mache dies ehrenamtlich. Weil ich dadurch eine Möglichkeit sehe, angehende Autoren ein bisschen zu unterstützen. Ich gebe mein Bestes aber ich bin kein studierter Germanist. Die redigierten Texte, die ich abliefere, beinhalten natürlich noch Fehler, die ich übersehen habe. Aber ich glaube, wenn bei einem Roman, 95% der Fehler behoben sind, fallen die verbleibenden 5 Prozent nicht mehr so stark ins Gewicht.
    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Leser Rechtschreibfehler in Wörtern schneller erkennen als Fehler bei Satzzeichen. Ein fehlendes Komma fällt sehr wenigen Lesern auf, sollte aber im Text stehen ….der schiefe Turm von Pizza…. fällt das fast allen auf.
    Will ein angehender Autor einen fehlerfreien Text erhalten, dann muss er (oder sie) eben doch einen meist 4 stelligen Betrag investieren und ein professionelles Lektorat mit dieser Aufgabe betrauen.
    Fazit für mich:
    ich werde weiterhin Texte redigieren, wenn mich ein Autor darum bittet und mich sein Roman interessiert. Ich werde auch weiterhin nur max. 95% der Fehler finden und beseitigen können. Sollte diese Korrektur-Quote zu gering sein, dann bin ich der verkehrte Mann.
    PS
    Ich möchte an dieser Stelle den Namen der Autorin, deren neuere Bücher ich redigiert habe, aus persönlichen Gründen nicht öffentlich bekannt machen. Wenn man allerdings meine Kommentare auf Bookrix aufmerksam studiert, kann man wahrscheinlich erkennen, um wen es sich handelt.

    • admin says:

      Liebe(r) Leseratte!

      Ich danke dir für dein Feedback und einen Einblick in deine Erfahrungen. Ich denke mir, den meisten Autoren ist wohl auch nicht bewusst, wie viel Zeit, Geduld und Konzentration für eine fehlerlose Arbeit notwendig sind. Wenn man oft die Preise hört, wird man nur blass und überlegt, ob sich das irgendwann einmal rechnet. Gerade deswegen will man sich auch sicher sein, dass die Wahl den oder die Richtige getroffen hat.
      Ich denke mir, es ist auch eine große Verantwortung, da die Erwartung im Raum steht, dass nun alles picobello von jemanden erledigt wird und als Autor alles menschenmögliche getan wurde, um dem Buch einen guten Start in die Bücherwelt zu ebnen.
      Ich glaube, dieses Thema ist für beide Seiten mit jedem neuen Kunden/Dienstleister eine große Herausforderung und Verunsicherung. Da man etwas sehr Persönliches in die Hände eines quasi Unbekannten legt, vertraut und hofft man auf gute Arbeit. Der Lektor/Korrektor erwartet professionelles Mitarbeiten, Unterstützen und eine adäquate Entlohnung.
      Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß bei dem ‚Unter die Arme Greifen‘ von Selfpublishern und frisch geschlüpften Autoren und vor allem, dass du es ehrenamtlich machst, rechne ich dir hoch an. Es gibt nur wenige, die das tun. Deswegen auch Danke ;o)
      lg C

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